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Problematische Inhaltsstoffe in Kosmetik? Warum Schwarz-Weiß-Listen wenig helfen

schädliche Inhaltsstoffe Kosmetik
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Schädliche Inhaltsstoffe in Kosmetik gehören zu den häufigsten Themen, wenn Menschen beginnen, sich genauer mit ihrer Hautpflege zu beschäftigen.

Im Internet finden sich deshalb zahlreiche Listen mit Inhaltsstoffen, die man angeblich grundsätzlich vermeiden sollte.

Parabene. Silikone. Mineralöle. PEG. Tenside. Emulgatoren. Duftstoffe.

Doch so einfach funktioniert die Bewertung kosmetischer Inhaltsstoffe nicht.

Ein Inhaltsstoff ist nicht allein deshalb gut oder schlecht, weil sein Name auf einer Positiv- oder Negativliste steht.

Entscheidend sind unter anderem der konkrete Stoff, seine Konzentration, seine Funktion innerhalb der Rezeptur, der Anwendungsbereich, die Exposition und die individuelle Verträglichkeit.

Deshalb möchten wir diesen Artikel heute anders beantworten als früher.

Nicht mit einer weiteren Angstliste.

Sondern mit der Frage:

Wie lassen sich potenziell problematische Inhaltsstoffe in Kosmetik sinnvoll beurteilen?

Gibt es überhaupt schädliche Inhaltsstoffe in Kosmetik?

Natürlich können Stoffe unerwünschte Eigenschaften besitzen.

Ein Inhaltsstoff kann beispielsweise reizen, sensibilisieren oder für bestimmte Anwendungen ungeeignet sein.

Auch individuelle Allergien und Unverträglichkeiten spielen eine Rolle.

Gleichzeitig unterliegen kosmetische Produkte und ihre Inhaltsstoffe in der Europäischen Union gesetzlichen Anforderungen und Sicherheitsbewertungen.

Für zahlreiche Stoffe gelten Beschränkungen hinsichtlich Einsatzgebiet, Konzentration oder Kennzeichnung. Bestimmte Stoffe dürfen überhaupt nicht in kosmetischen Produkten verwendet werden.

Deshalb ist die Frage:

„Ist Inhaltsstoff X schädlich?“

häufig zu grob.

Die bessere Frage lautet:

„In welchem Produkt, in welcher Konzentration, für welche Anwendung und für welche Person wird dieser Stoff eingesetzt?“

Warum sind Listen mit „guten“ und „schlechten“ Inhaltsstoffen problematisch?

Solche Listen sind attraktiv, weil sie Kosmetik scheinbar einfach machen.

Grün bedeutet gut.

Rot bedeutet schlecht.

Eine echte Formulierung ist jedoch komplexer.

Ein Inhaltsstoff kann eine wichtige technische Funktion übernehmen, obwohl sein Name wenig attraktiv klingt.

Umgekehrt kann ein natürlich klingender Pflanzenextrakt für einzelne Menschen ungeeignet sein.

Die Herkunft oder Bekanntheit eines Rohstoffs ist deshalb kein ausreichendes Sicherheits- oder Qualitätskriterium.

Wie unterschiedliche Inhaltsstoffe innerhalb einer Rezeptur zusammenspielen, erklären wir ausführlich unter Kosmetik-Inhaltsstoffe verstehen.

Natürlich bedeutet nicht automatisch besser verträglich

„Natürlich“ und „synthetisch“ werden in Kosmetik häufig wie Qualitätsurteile verwendet.

Doch natürliche Stoffe können ebenfalls Duftstoffe, Allergene oder andere Bestandteile enthalten, auf die einzelne Menschen empfindlich reagieren.

Synthetisch hergestellte Inhaltsstoffe können wiederum sehr gezielt für eine bestimmte kosmetische Funktion entwickelt und eingesetzt werden.

Deshalb gilt:

Natürlich ≠ automatisch sicher.
Synthetisch ≠ automatisch problematisch.

Für die Bewertung zählt der konkrete Stoff im konkreten Produkt.

Sind Parabene schädlich?

Parabene sind Konservierungsstoffe, die das Wachstum von Mikroorganismen in kosmetischen Produkten begrenzen können.

Gerade bei wasserhaltiger Kosmetik ist mikrobiologische Sicherheit ein wichtiger Teil der Produktsicherheit.

Die Stoffgruppe „Parabene“ sollte deshalb nicht pauschal mit „krebserregend“ oder „giftig“ gleichgesetzt werden.

Welche Parabene in Kosmetik eingesetzt werden dürfen und unter welchen Bedingungen, wird regulatorisch differenziert betrachtet.

Einige Vertreter sind zugelassen und beschränkt, andere dürfen nicht verwendet werden.

Die sinnvollere Frage ist deshalb nicht:

„Parabene – ja oder nein?“

Sondern:

„Welcher konkrete Stoff wird in welcher Konzentration und zu welchem Zweck eingesetzt?“

Sind Silikone schlecht für die Haut?

Auch Silikone bilden keine einheitliche Substanz.

In Kosmetik können verschiedene silikonbasierte Inhaltsstoffe eingesetzt werden, beispielsweise um Hautgefühl, Verteilbarkeit oder sensorische Eigenschaften eines Produkts zu beeinflussen.

Die häufige Vorstellung, Silikone würden grundsätzlich eine vollkommen luftdichte Plastikschicht auf der Haut bilden und dadurch die Versorgung der Haut verhindern, ist zu pauschal.

Ob ein silikonhaltiges Produkt zur eigenen Haut und zum gewünschten Pflegegefühl passt, muss anhand der konkreten Formulierung beurteilt werden.

Sind Mineralöle und Paraffine schädlich?

Mineralölbasierte Inhaltsstoffe werden in Diskussionen über Kosmetik häufig grundsätzlich negativ dargestellt.

Für kosmetische Anwendungen werden jedoch entsprechend aufbereitete Rohstoffe eingesetzt.

Einige mineralölbasierte Bestandteile besitzen ausgeprägte filmbildende beziehungsweise okklusive Eigenschaften.

Das kann je nach Produkttyp und Hautzustand durchaus eine gewünschte Funktion sein.

„Okklusiv“ bedeutet dabei nicht automatisch „schädlich“ oder „porenverstopfend“.

Was Okklusion in Hautpflege tatsächlich bedeutet, erklären wir unter Okklusive Inhaltsstoffe in Kosmetik.

Sind PEG grundsätzlich problematisch?

PEG ist keine Bezeichnung für einen einzigen Inhaltsstoff, sondern begegnet in unterschiedlichen Verbindungen und Funktionen.

PEG-basierte beziehungsweise verwandte Stoffe können beispielsweise als Emulgatoren, Lösungsvermittler oder andere funktionale Bestandteile eingesetzt werden.

Die pauschale Aussage, PEG würden grundsätzlich die Hautbarriere „zerstören“, ist deshalb keine sinnvolle Bewertung einer kosmetischen Formulierung.

Auch hier muss der konkrete Rohstoff innerhalb des konkreten Produkts betrachtet werden.

Sind Emulgatoren schädlich für die Haut?

Emulgatoren werden manchmal allein deshalb kritisch dargestellt, weil sie mit Wasser und Öl wechselwirken können.

Das übersieht ihre eigentliche Funktion.

Viele Cremes bestehen aus einer Wasser- und einer Ölphase.

Damit daraus eine stabile Emulsion entstehen kann, wird ein geeignetes Emulgatorsystem benötigt.

Ein Emulgator ist deshalb nicht automatisch ein unnötiger oder schädlicher Zusatzstoff.

Er kann eine technische Schlüsselfunktion innerhalb einer Formulierung übernehmen.

Wie das funktioniert, erklären wir ausführlich unter Emulgatoren in Kosmetik.

Sind Tenside schädlich?

Tenside sind besonders wichtig für Reinigungsprodukte.

Sie helfen dabei, fettige Verschmutzungen mit Wasser entfernbar zu machen.

Allerdings unterscheiden sich Tenside deutlich voneinander.

Auch Konzentration, Kombination und Formulierung beeinflussen, wie mild oder intensiv ein Reinigungsprodukt wirkt.

Deshalb ist „enthält Tenside“ kein sinnvolles Negativkriterium.

Ein Reinigungsprodukt ohne reinigende Funktion würde seinen eigentlichen Job schließlich nicht erfüllen.

Mehr dazu findest du unter Tenside in Kosmetik.

Sind Duftstoffe problematisch?

Duftstoffe sind ein gutes Beispiel dafür, dass die Bewertung stärker vom individuellen Kontext abhängen kann.

Bestimmte Duftstoffe können bei empfindlichen beziehungsweise sensibilisierten Personen Reaktionen auslösen.

Für deklarationspflichtige Duftstoffallergene gelten deshalb entsprechende Kennzeichnungsvorgaben.

Wer bekannte Duftstoffallergien besitzt oder sehr empfindliche Haut hat, kann von parfümfreien beziehungsweise entsprechend ausgewählten Produkten profitieren.

Das bedeutet jedoch nicht automatisch, dass jedes parfümierte Kosmetikprodukt für jeden Menschen schädlich ist.

Sind ätherische Öle automatisch besser als synthetische Duftstoffe?

Nein.

Ätherische Öle sind natürliche Stoffgemische und können ebenfalls Bestandteile enthalten, die bei empfindlichen Personen problematisch sein können.

„Natürlich beduftet“ ist deshalb nicht automatisch gleichbedeutend mit „allergenfrei“ oder „besonders hautverträglich“.

Auch hier gilt:

Die Herkunft allein entscheidet nicht über die Verträglichkeit.

Was ist mit Aluminium in Kosmetik?

Unter dem Begriff „Aluminium“ werden sehr unterschiedliche aluminiumhaltige Verbindungen zusammengefasst.

Ein bekanntes Einsatzgebiet bestimmter Aluminiumsalze sind Antitranspirantien.

Die frühere pauschale Verbindung kosmetisch verwendeter Aluminiumsalze mit Erkrankungen wie Brustkrebs oder Alzheimer sollte nicht als gesicherte Tatsache dargestellt werden.

Bei der Bewertung müssen die konkrete Verbindung, das Einsatzgebiet und die aktuelle wissenschaftliche beziehungsweise regulatorische Bewertung berücksichtigt werden.

Was ist mit Phthalaten?

Auch „Phthalate“ bezeichnet eine Stoffgruppe und nicht einen einzelnen Rohstoff.

Einzelne Phthalate unterscheiden sich deutlich hinsichtlich Eigenschaften, Verwendung und regulatorischer Bewertung.

Bestimmte Vertreter sind aufgrund ihrer Eigenschaften in kosmetischen Produkten verboten beziehungsweise entsprechend reguliert.

Auch deshalb ist die pauschale Aussage „Phthalate sind in Kosmetik enthalten und machen krank“ kein sinnvoller Weg, ein konkretes Produkt zu beurteilen.

Was ist mit Benzophenonen?

Auch bei Benzophenon-Verbindungen muss zwischen konkreten Stoffen unterschieden werden.

Einige Verbindungen können beispielsweise als UV-Filter oder für andere technische Funktionen eingesetzt werden.

Für einzelne Stoffe gelten spezifische regulatorische Vorgaben und Konzentrationsgrenzen.

Eine Stoffgruppe allein liefert deshalb noch kein vollständiges Sicherheitsurteil.

Was bedeutet „frei von“?

Aussagen wie:

  • ohne Parabene,
  • ohne Silikone,
  • ohne Mineralöl,
  • ohne PEG
  • oder ohne bestimmte Konservierungsstoffe

können Verbraucherinnen und Verbrauchern Informationen über eine Formulierung geben.

Sie beweisen jedoch nicht automatisch, dass das Produkt dadurch besser, sicherer oder verträglicher ist.

Entscheidend bleibt, was stattdessen enthalten ist und wie die gesamte Rezeptur aufgebaut wurde.

Bedeutet eine lange INCI-Liste schlechte Kosmetik?

Nein.

Die Länge einer Inhaltsstoffliste sagt zunächst nur, dass unterschiedlich viele Bestandteile eingesetzt wurden.

Ein Produkt kann mehrere Stoffe benötigen, weil unterschiedliche Aufgaben erfüllt werden müssen:

  • Feuchtigkeit binden,
  • Lipide bereitstellen,
  • Wasser und Öl verbinden,
  • Konsistenz erzeugen,
  • mikrobiologische Stabilität sicherstellen,
  • Reinigung ermöglichen
  • oder das sensorische Hautgefühl beeinflussen.

Weniger Inhaltsstoffe sind deshalb nicht automatisch besser.

Wie beurteilt MALANTIS kosmetische Inhaltsstoffe?

Als Kosmetikmanufaktur interessiert uns nicht nur, ob ein Rohstoff einen bekannten Namen besitzt.

Wir fragen zuerst:

  1. Welchen Job soll das Produkt erfüllen?
  2. Welche Pflegefunktionen werden dafür benötigt?
  3. Welche Formulierung eignet sich dafür?
  4. Welche Rohstoffe erfüllen innerhalb dieser Formulierung welche Aufgabe?
  5. Ist die fertige Rezeptur sicher, stabil und für ihren vorgesehenen Einsatz geeignet?

Dadurch verschiebt sich die Perspektive.

Nicht:

„Ist Inhaltsstoff X gut oder böse?“

Sondern:

„Warum ist Inhaltsstoff X in dieser Rezeptur enthalten?“

Wie kannst du eine INCI-Liste sinnvoll beurteilen?

Statt eine Blacklist abzuarbeiten, helfen fünf Fragen:

  1. Was für ein Produkt ist es?
  2. Welche Funktion soll das Produkt erfüllen?
  3. Welche Aufgaben übernehmen die enthaltenen Stoffgruppen?
  4. Gibt es Inhaltsstoffe, auf die du persönlich empfindlich reagierst?
  5. Passt die gesamte Formulierung zu deinem Hautzustand und zur Anwendung?

Für den Einstieg empfehlen wir unseren Ratgeber Kosmetik-Inhaltsstoffe verstehen.

Häufige Fragen zu problematischen Inhaltsstoffen in Kosmetik

Welche Inhaltsstoffe in Kosmetik sind schädlich?

Eine universelle Blacklist ist wenig sinnvoll. Stoffe unterscheiden sich hinsichtlich Funktion, Konzentration, Anwendung und regulatorischer Bewertung. Zusätzlich können individuelle Allergien und Unverträglichkeiten eine Rolle spielen.

Sind Parabene krebserregend?

Parabene sollten nicht pauschal als krebserregend bezeichnet werden. Für kosmetisch verwendete Parabene gelten differenzierte regulatorische Bewertungen, Zulassungen und Konzentrationsgrenzen.

Sind Silikone schlecht für die Haut?

Silikone sind nicht grundsätzlich schlecht für die Haut. Je nach Verbindung können sie unterschiedliche technische und sensorische Funktionen in einer Formulierung übernehmen.

Ist Mineralöl schädlich?

Für kosmetische Anwendungen werden entsprechend aufbereitete mineralölbasierte Rohstoffe eingesetzt. Ihre filmbildenden Eigenschaften können je nach Produkt sogar gezielt erwünscht sein.

Sind Emulgatoren schlecht für die Haut?

Nein, das lässt sich nicht pauschal sagen. Emulgatoren können eine wichtige technische Funktion übernehmen, indem sie Wasser- und Ölphase einer kosmetischen Emulsion stabilisieren.

Sind Tenside schädlich?

Tenside unterscheiden sich deutlich voneinander. Wie mild ein Reinigungsprodukt ist, hängt unter anderem von Tensidsystem, Konzentration und Gesamtformulierung ab.

Ist Naturkosmetik automatisch verträglicher?

Nein. Auch natürliche Inhaltsstoffe können beispielsweise Allergene oder sensibilisierende Bestandteile enthalten. Die Herkunft allein entscheidet nicht über die individuelle Verträglichkeit.

Ist eine kurze INCI-Liste besser?

Nicht automatisch. Unterschiedliche Inhaltsstoffe können notwendig sein, um verschiedene technische und kosmetische Aufgaben innerhalb einer sicheren und stabilen Formulierung zu erfüllen.

Sind „Free-from“-Produkte besser?

Eine „frei von“-Aussage beschreibt zunächst nur, was nicht enthalten ist. Sie beweist nicht automatisch, dass die alternative Formulierung besser oder verträglicher ist.

Fazit: Inhaltsstoffe verstehen statt Angstlisten sammeln

Die Suche nach schädlichen Inhaltsstoffen in Kosmetik ist nachvollziehbar. Niemand möchte Produkte verwenden, die der eigenen Haut nicht guttun.

Eine starre Liste vermeintlich guter und schlechter Stoffe löst dieses Problem jedoch nicht.

Die bessere Bewertung berücksichtigt:

Stoff → Konzentration → Funktion → Formulierung → Anwendung → individuelle Verträglichkeit.

Manche Inhaltsstoffe können für bestimmte Menschen oder Anwendungen ungeeignet sein.

Andere Stoffe werden im Internet problematisiert, obwohl sie eine wichtige technische Funktion innerhalb einer sicheren Formulierung übernehmen können.

Deshalb gilt:

INCI verstehen ist hilfreicher als INCI fürchten.

Genau dafür haben wir unseren zentralen Ratgeber Kosmetik-Inhaltsstoffe verstehen aufgebaut.

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