INCI-Liste verstehen: Inhaltsstoffe in Kosmetik richtig einordnen
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Eine INCI-Liste kann auf den ersten Blick kompliziert wirken. Lange Bezeichnungen, ungewohnte Namen und eine Vielzahl unterschiedlicher Inhaltsstoffe machen es nicht immer leicht zu erkennen, was tatsächlich in einem Kosmetikprodukt steckt.
Wer einige Grundprinzipien kennt, kann eine Inhaltsstoffliste jedoch deutlich besser lesen und einordnen. Dabei ist wichtig: Die INCI-Liste liefert wertvolle Informationen über die Zusammensetzung eines Produkts, ist aber kein automatisches Qualitätsranking.
Ein einzelner Inhaltsstoff, seine Position in der Liste oder ein besonders prominent beworbener Wirkstoff reichen nicht aus, um zu beurteilen, ob ein Produkt zur eigenen Haut passt.
Was bedeutet INCI?
INCI steht für International Nomenclature of Cosmetic Ingredients. Damit werden kosmetische Inhaltsstoffe nach einer einheitlichen Nomenklatur bezeichnet.
Deshalb können die Namen auf einer Verpackung ungewohnt oder technisch wirken. Das bedeutet jedoch nicht automatisch, dass ein Inhaltsstoff problematisch ist.
Die standardisierten Bezeichnungen ermöglichen vielmehr, Inhaltsstoffe unabhängig von Produktnamen und Marketingbezeichnungen zu identifizieren.
Wo findet man die INCI-Liste?
Die Inhaltsstoffe eines Kosmetikprodukts werden in einer Zutatenliste angegeben, häufig unter der Bezeichnung Ingredients.
Je nach Produkt und Verpackung kann diese Liste direkt auf dem Behältnis, auf der Umverpackung oder an einer dafür vorgesehenen Stelle zu finden sein.
Für Verbraucher ist sie eine wichtige Informationsquelle, weil sie zeigt, welche Inhaltsstoffe Bestandteil der Formulierung sind.
Sie erklärt allerdings nicht automatisch, warum ein bestimmter Inhaltsstoff eingesetzt wurde oder wie gut das gesamte Produkt zum individuellen Hautzustand passt.
Wie liest man eine INCI-Liste?
Eine INCI-Liste sollte nicht wie eine einfache Rangliste von „gut“ nach „schlecht“ gelesen werden.
Hilfreicher ist es, zunächst die Struktur der Formulierung zu betrachten und einzelne Bestandteile anschließend in ihrem Zusammenhang einzuordnen.
Was bedeutet die Reihenfolge der Inhaltsstoffe?
Die Reihenfolge einer INCI-Liste liefert Informationen darüber, wie die Inhaltsstoffe innerhalb der Formulierung angegeben werden.
Weiter vorne aufgeführte Bestandteile können einen größeren Anteil an der Formulierung haben als weiter hinten aufgeführte Bestandteile.
Diese Information sollte jedoch nicht überinterpretiert werden.
Aus der Position eines Inhaltsstoffs lässt sich nicht automatisch seine exakte Konzentration ablesen.
Warum sagt die Position allein nicht alles?
Die Bedeutung eines Inhaltsstoffs für eine Formulierung hängt nicht ausschließlich davon ab, wie weit vorne er in der Liste steht.
Unterschiedliche Inhaltsstoffe erfüllen unterschiedliche Aufgaben und werden entsprechend ihrer Funktion in unterschiedlichen Mengen eingesetzt.
Ein Bestandteil muss deshalb nicht an erster oder zweiter Stelle stehen, um für die Formulierung relevant zu sein.
Umgekehrt bedeutet eine hohe Position nicht automatisch, dass dieser Inhaltsstoff allein die Qualität oder Eignung des Produkts bestimmt.
Warum klingen manche INCI-Bezeichnungen kompliziert?
INCI-Bezeichnungen sind keine Werbenamen.
Sie dienen dazu, kosmetische Inhaltsstoffe standardisiert anzugeben. Deshalb können selbst bekannte oder pflanzliche Bestandteile unter Bezeichnungen erscheinen, die auf den ersten Blick ungewohnt wirken.
Ein kompliziert klingender Name ist daher kein Qualitätsurteil.
Die Bezeichnung sollte zunächst identifiziert und funktional eingeordnet werden, bevor daraus eine Bewertung entsteht.
Steht der wichtigste Inhaltsstoff immer ganz oben?
Nicht unbedingt.
Im Marketing werden häufig einzelne Inhaltsstoffe besonders hervorgehoben. Diese sogenannten Hero Ingredients können für die Positionierung eines Produkts wichtig sein.
Das bedeutet jedoch nicht, dass dieser eine Inhaltsstoff die gesamte Pflegeleistung bestimmt.
Eine Creme, ein Serum oder ein Reinigungsprodukt besteht aus einer Gesamtformulierung, in der unterschiedliche Bestandteile verschiedene Aufgaben übernehmen.
Deshalb sollte ein Produkt nicht ausschließlich danach beurteilt werden, welcher Inhaltsstoff auf der Vorderseite der Verpackung besonders prominent genannt wird.
Kann man an der INCI-Liste erkennen, wie gut ein Produkt ist?
Nicht allein.
Die INCI-Liste zeigt, welche Inhaltsstoffe Bestandteil eines kosmetischen Produkts sind. Daraus lassen sich wichtige Informationen gewinnen.
Sie beantwortet jedoch nicht automatisch Fragen wie:
- Ist dieses Produkt für meine Haut geeignet?
- Ist Produkt A grundsätzlich besser als Produkt B?
- Ist eine lange Formulierung schlechter als eine kurze?
- Ist ein natürlicher Inhaltsstoff grundsätzlich besser?
- Wie wird sich das Produkt auf meiner Haut anfühlen?
- Wie gut vertrage ich die gesamte Formulierung?
Für eine sinnvolle Beurteilung muss deshalb mehr berücksichtigt werden als die reine Liste der Inhaltsstoffe.
Welche Inhaltsstoffgruppen findet man in Kosmetik?
Kosmetische Formulierungen können sehr unterschiedliche Inhaltsstoffgruppen miteinander kombinieren. Ihre Aufgaben unterscheiden sich teilweise deutlich.
Feuchthaltemittel
Feuchthaltemittel werden in Formulierungen eingesetzt, wenn feuchtigkeitsbezogene Funktionen gefragt sind.
Ein bekannter kosmetischer Inhaltsstoff in diesem Zusammenhang ist beispielsweise Hyaluron.
Auch pflanzliche Bestandteile können Teil feuchtigkeitsorientierter Formulierungen sein. Entscheidend bleibt jedoch die Aufgabe des jeweiligen Inhaltsstoffs innerhalb des gesamten Produkts.
Lipide und Emollients
Lipidbezogene Bestandteile können den Pflegecharakter eines Produkts wesentlich mitbestimmen.
Hierzu können beispielsweise bestimmte Pflanzenöle oder andere fettbezogene Komponenten einer Formulierung gehören.
Dabei sollte nicht automatisch angenommen werden, dass ein Pflanzenöl dieselbe Aufgabe erfüllt wie ein Feuchthaltemittel.
Okklusive Bestandteile
Okklusive Komponenten können innerhalb einer Formulierung eine andere Aufgabe übernehmen als klassische Feuchthaltemittel.
Deshalb ist die Unterscheidung zwischen Feuchtigkeit bereitstellen beziehungsweise binden und einem stärker schützenden oder abschließenden Pflegecharakter wichtig.
Tenside
Tenside spielen insbesondere bei Reinigungsprodukten eine wichtige Rolle.
Ihre Anwesenheit sollte deshalb immer im Zusammenhang mit der Produktart betrachtet werden.
Ein Reinigungsprodukt hat schließlich eine andere Aufgabe als eine Gesichtscreme oder ein Pflegeöl.
Emulgatoren
Emulgatoren ermöglichen bestimmte Formulierungsstrukturen und können beispielsweise relevant sein, wenn wasser- und ölbezogene Bestandteile innerhalb eines Produkts zusammengebracht werden.
Sie sollten nicht isoliert als „gute“ oder „schlechte“ Inhaltsstoffe bewertet werden, ohne ihre Funktion zu berücksichtigen.
Konservierung
Auch die Konservierung gehört zur Formulierungslogik kosmetischer Produkte.
Die bloße Anwesenheit eines konservierenden Bestandteils ist deshalb noch kein sinnvolles Qualitätsurteil.
Relevant ist, welche Anforderungen die konkrete Formulierung stellt und wie das Produkt insgesamt aufgebaut ist.
Duftstoffe
Duftstoffe können das sensorische Erlebnis eines Kosmetikprodukts beeinflussen.
Ob ein entsprechendes Produkt individuell geeignet ist, kann unter anderem vom Hautzustand, von persönlichen Präferenzen und von der Verträglichkeit abhängen.
Pflanzenstoffe
Pflanzliche Inhaltsstoffe bilden keine einheitliche Funktionsgruppe.
Ein Pflanzenöl, ein Pflanzenextrakt und ein ätherisches Öl können innerhalb einer kosmetischen Formulierung sehr unterschiedliche Aufgaben und Eigenschaften besitzen.
Genau deshalb reicht die Aussage „pflanzlich“ für eine funktionale Bewertung nicht aus.
Was bedeutet ein Pflanzenöl in der INCI-Liste?
Pflanzenöle sind häufig Bestandteil kosmetischer Formulierungen.
Beispiele sind Arganöl, Hanföl oder Schwarzkümmelöl.
Dabei ist wichtig, Pflanzenöle nicht automatisch mit Feuchtigkeit gleichzusetzen.
Ein Pflanzenöl kann einen lipidbezogenen Pflegecharakter unterstützen, während andere Inhaltsstoffgruppen andere Aufgaben innerhalb einer Formulierung übernehmen.
Auch zwischen verschiedenen Pflanzenölen bestehen Unterschiede. Deshalb sollte nicht allein nach dem bekanntesten oder vermeintlich „besten“ Öl gesucht werden.
Was bedeutet ein ätherisches Öl in der INCI-Liste?
Ätherische Öle sollten nicht mit klassischen fetten Pflanzenölen verwechselt werden.
Teebaumöl ist beispielsweise ein ätherisches Öl.
Der gemeinsame Begriff „Öl“ bedeutet nicht, dass Teebaumöl und beispielsweise Argan- oder Schwarzkümmelöl dieselbe Funktion besitzen oder auf dieselbe Weise eingesetzt werden.
Gerade deshalb ist es hilfreich, einen Inhaltsstoff zunächst seiner tatsächlichen Gruppe zuzuordnen, bevor die Formulierung beurteilt wird.
Bedeutet „natürlich“ automatisch besser?
Nein.
Die natürliche Herkunft eines Inhaltsstoffs ist zunächst eine Information über den Rohstoff. Sie sagt allein noch nicht aus, ob ein Produkt für einen bestimmten Hautzustand geeignet ist.
Ebenso wenig sollte aus einem technisch klingenden Namen automatisch geschlossen werden, dass ein Inhaltsstoff schlechter oder problematischer ist.
Herkunft und Eignung sind unterschiedliche Fragen.
Auch natürliche Inhaltsstoffe können individuell unterschiedlich vertragen werden.
Sind lange INCI-Listen schlechter als kurze?
Nein.
Die Anzahl der aufgeführten Inhaltsstoffe ist kein allgemeiner Qualitätsmaßstab.
Eine kurze Formulierung kann für einen bestimmten Zweck sinnvoll sein. Ein komplexeres Produkt kann dagegen mehrere Funktionen miteinander verbinden und dafür mehr Bestandteile benötigen.
Deshalb gilt weder kurz = automatisch besser noch lang = automatisch schlechter.
Entscheidend ist, ob die Zusammensetzung zur Aufgabe des Produkts passt.
Sind kompliziert klingende Inhaltsstoffe problematisch?
Nicht aufgrund ihres Namens.
Ein häufiger Fehler bei der Bewertung von Kosmetik besteht darin, vertraut klingende Begriffe automatisch positiv und unbekannte oder chemisch wirkende Bezeichnungen automatisch negativ einzustufen.
Eine INCI-Bezeichnung beschreibt einen Inhaltsstoff, sie bewertet ihn nicht.
Für eine sinnvolle Einordnung muss deshalb geklärt werden, welcher Stoff bezeichnet wird und welche Funktion er innerhalb der Formulierung besitzt.
Was sagt die INCI-Liste über die Konzentration aus?
Die Reihenfolge der Inhaltsstoffe kann Hinweise auf die Zusammensetzung geben.
Sie erlaubt jedoch nicht, für jeden Bestandteil einfach einen exakten Prozentwert abzulesen.
Wenn eine konkrete Konzentration nicht angegeben oder anderweitig belastbar bekannt ist, sollte sie deshalb auch nicht aus der Position in der INCI-Liste erfunden werden.
Das ist besonders bei stark beworbenen Inhaltsstoffen relevant.
Ein Stoff kann prominent auf der Verpackung erscheinen, ohne dass Verbraucher allein daraus seine genaue Konzentration bestimmen können.
Kann man zwei Produkte anhand ihrer INCI-Listen vergleichen?
Ja – aber mit Grenzen.
INCI-Listen können dabei helfen, Unterschiede zwischen zwei Formulierungen zu erkennen.
Beispielsweise lässt sich untersuchen, welche Inhaltsstoffgruppen vorhanden sind, ob bestimmte bekannte Bestandteile enthalten sind und wie unterschiedlich zwei Produkte grundsätzlich aufgebaut sind.
Daraus entsteht aber nicht automatisch ein universelles Ranking.
Produkt A kann für einen bestimmten Pflegebedarf sinnvoller sein, während Produkt B für einen anderen Hautzustand besser passen kann.
Ein sinnvoller Vergleich fragt deshalb nicht nur „Welche INCI-Liste sieht besser aus?“, sondern auch, welche Aufgabe das Produkt für die eigene Haut erfüllen soll.
Warum ist die Gesamtformulierung wichtiger als ein einzelner Wirkstoff?
Kosmetikmarketing konzentriert sich häufig auf einzelne bekannte Inhaltsstoffe.
Das macht Produkte leichter verständlich, kann aber einen falschen Eindruck erzeugen.
Ein Kosmetikprodukt besteht nicht nur aus seinem prominentesten Wirkstoff.
Feuchthaltemittel, Lipide, Emulgatoren, Tenside, Pflanzenstoffe, Konservierung und weitere Bestandteile können gemeinsam bestimmen, wie eine Formulierung aufgebaut ist und welchen Pflegecharakter sie besitzt.
Deshalb ist die Aussage „Enthält Inhaltsstoff X“ noch keine vollständige Produktbewertung.
Ein einzelner Bestandteil sollte immer im Zusammenhang mit der gesamten Formulierung betrachtet werden.
Wie kann man eine INCI-Liste sinnvoll beurteilen?
Zuerst die Produktart betrachten
Eine Reinigung, eine Creme, ein Serum und ein Pflegeöl erfüllen unterschiedliche Aufgaben.
Die Inhaltsstoffliste sollte deshalb immer im Zusammenhang mit der Produktart gelesen werden.
Den eigenen Hautzustand berücksichtigen
Eine Formulierung kann grundsätzlich sinnvoll aufgebaut sein und trotzdem nicht optimal zum individuellen Hautzustand passen.
Inhaltsstoffgruppen erkennen
Statt jeden Namen einzeln als „gut“ oder „schlecht“ einzustufen, ist es hilfreicher zu verstehen, welche funktionalen Gruppen innerhalb der Formulierung vertreten sind.
Einzelne Inhaltsstoffe im Zusammenhang betrachten
Ein Pflanzenöl, ein ätherisches Öl oder ein Feuchthaltemittel sollte nicht isoliert zum Qualitätsmerkmal des gesamten Produkts erklärt werden.
Die tatsächliche Anwendung berücksichtigen
Auch eine theoretisch interessant aufgebaute Formulierung muss zur vorgesehenen Anwendung passen und individuell verträglich sein.
Typische Fehler beim Lesen einer INCI-Liste
Zu den häufigsten Fehlinterpretationen gehören:
- einen einzelnen Inhaltsstoff isoliert zu bewerten,
- unbekannte Namen automatisch für problematisch zu halten,
- natürliche Inhaltsstoffe automatisch als besser einzustufen,
- eine kurze INCI-Liste grundsätzlich zu bevorzugen,
- eine lange Liste automatisch negativ zu bewerten,
- einen beworbenen Inhaltsstoff mit der gesamten Produktwirkung gleichzusetzen,
- aus der Reihenfolge exakte Konzentrationen abzuleiten,
- ätherische Öle und klassische Pflanzenöle gleichzusetzen,
- kosmetische Inhaltsstoffe mit medizinischen Wirkversprechen zu verbinden.
Wer diese Vereinfachungen vermeidet, kann Inhaltsstofflisten deutlich sachlicher beurteilen.
Fazit: Eine INCI-Liste liefert Informationen – kein automatisches Urteil
Eine INCI-Liste zu verstehen bedeutet nicht, jeden Inhaltsstoff auswendig kennen zu müssen.
Wichtiger ist, die grundlegende Struktur einer Formulierung zu erkennen und einzelne Bestandteile in ihrem Zusammenhang zu betrachten.
Die Inhaltsstoffliste zeigt, was in einem Kosmetikprodukt enthalten ist. Sie sagt jedoch nicht allein, ob ein Produkt gut oder schlecht, hochwertig oder minderwertig oder für jeden Hautzustand gleichermaßen geeignet ist.
Wer Produktart, Inhaltsstoffgruppen, Gesamtformulierung und den eigenen Hautzustand gemeinsam berücksichtigt, kann kosmetische Produkte wesentlich differenzierter beurteilen – ohne sich von einzelnen Marketing-Inhaltsstoffen oder kompliziert klingenden Namen unnötig leiten zu lassen.
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